Prototyp

Gemeinsam mit Betrieben aus der Region haben wir ein mobiles Mini-Haus aus gebrauchten Schaffhauser Bauteilen gebaut. Hier teilen wir, was gut lief, wo wir improvisierten — und was wir beim nächsten Mal anders machen würden.

Vision

Schaffen wir es, mit nicht mehr genutzten Bauteilen ein «neues» Haus zu bauen?

Als Gemeinschaftswerk des regionalen Gewerbes wird ein innovativer Prototyp (auch Showroom genannt) aus gebrauchten Schaffhauser Bauteilen erstellt. Involviert sind dabei eine Vielzahl von Firmen aus verschiedenen Verbänden und Branchen der Region (Netzwerk), welche jeweils Eigenleistungen in Form von Arbeit und Bauteilen in das Vorhaben einbringen. Der Prototyp ist als vollfunktionsfähiges, mobiles Mini-Haus in Container-Grösse konzipiert, welches nach dessen Realisierung zur Sensibilisierung des Baugewerbes und für Lernmodule verwendet wird. Dieser Prototyp soll möglichst autark bzgl. Strom- und Wasserversorgung funktionieren und auch das Wohnen ermöglichen. Diese Vision ist bei uns Wirklichkeit geworden.

Planung

Wie planen wir ein Mini-Gebäude, wenn zu Beginn noch nicht klar ist, welche Bauteile zur Verfügung stehen?

Dieser Herausforderung haben sich unsere Planer gestellt. Es braucht dazu viel Flexibilität und die nötige Gelassenheit. Die Pläne sind in Zusammenarbeit mit der Bauleitung regelmässig zu überarbeiten. Auch ist es wichtig, dass die Architekten in die Bauteilbeschaffung einbezogen werden. Standardware erhält man schon, aber eben nicht immer. Die üblichen Prozesse der Architektur funktionieren daher nicht so effizient und reibungsfrei wie gewohnt. Aber am Schluss schaut dann doch ein ansprechender Entwurf raus. Wir sind jedenfalls zufrieden mit unserem Prototyp, hätten aber für die Version 2.0 schon einige Ideen für Verbesserungen.

Pläne zum Download (PDF).

Bauteilbeschaffung und Logistik

Wo finden wir genau die Bauteile, die wir brauchen?

Eines vorweg: Es gibt ausreichend alte Bauteile/-stoffe, die irgendwo liegen und nicht mehr verwendet werden. Die Kunst ist es, diese zum richtigen Zeitpunkt zu finden. In Schaffhausen gibt es noch keine physische Bauteilbörse. Und online sind die Schaffhauser:innen auch noch nicht sehr aktiv. Somit gilt es, bei verschiedenen Gewerbebetrieben anzuklopfen. Auch Privatpersonen sind bei Umbauten oder Abbrüchen eine hilfreiche Quelle. So haben wir u.a. eine noch bestens funktionierende PV-Anlage erhalten. Speziell gefordert ist man mit der Logistik. Wenn ein Abbruch ansteht, muss man zum genannten Termin vor Ort sein, alles fachgerecht ausbauen und transportieren. Bevor die Bauteile verbaut werden, müssen sie gelagert werden. Dazu braucht es Fläche, die wir auf dem Werkareal von Thomas Meister zur Genüge hatten.

Bau des Prototyps

Wie bauen wir diesen Prototyp, damit er funktioniert und auch visuell überzeugt?
Idealerweise beschafft man zuerst alle nötigen Bauteile, lagert diese an einem zentralen Ort und passt dann die Baupläne darauf basierend an. Erst dann beginnt man mit dem Bau. Wenn man vorher beginnt, dann muss man einfach mehr improvisieren, was auch geht. Aber vor allem muss man dann unter Zeitdruck die noch fehlenden Bauteile finden, was nicht immer funktioniert. So steigt der Anteil an Neuware, die man einkauft und damit nehmen die Kosten zu. Plant man bei der Bauteilbeschaffung genügend Zeit ein, dann findet man auch schöne und zueinander passende Ware. Der Faktor Zeit entscheidet somit, ob der Bau visuell ansprechend wird oder weniger. Weil die Zeit bei uns knapp wurde, ist uns nicht alles optimal gelungen. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Dennoch besteht unserer Protoyp zu 70 – 80% aus bereits gebrauchtem Baumaterial.

Fazit

Was lernen wir aus dem Bau des Prototyps?

Hier ein erstes, aber noch nicht abschliessendes Fazit:

  1. Bauen mit wiederverwendeten Bauteilen ist bezüglich Funktionalität und Design herausfordernder als «normales» Bauen. Aber es gelingt dennoch.
  2. Für die Bauteilbeschaffung braucht es genügend Zeit, eine gute Logistik und vor allem eine ausreichend grosse Lagerfläche, bei der man alle Ware im Überblick hat.
  3. Im Kanton Schaffhausen gibt es keine Bauteilbörse und online ist das Angebot auch noch dürftig. Aber im Gewerbe gibt es viele Betriebe, die alte Ware sammeln und abgeben. Oder die in Abbrüche oder Umbauten involviert sind und dort entsprechende Ware besorgen können.
  4. Die Fachleute aus Planung, Bauleitung und Handwerk müssen viel enger zusammenarbeiten und immer wieder Optimierungsschlaufen drehen, um gute Resultate zu erzielen.
  5. Dazu bedarf es Personen, die fachübergreifend denken und handeln. Gefordert ist auch die Bereitschaft, für noch bessere Lösungen die Extrameile zu gehen. Und es braucht Flexibilität.

Weitere Schlüsse werden wir in den kommenden Wochen ziehen und auch entsprechend dokumentieren.

Projektteam

Simon Furter,
Koordination

Umweltingenieur ETH, Initiator Projekt "Netzwerk Zirkuläres Bauen", Geschäftsleiter Furter Plan F, Schaffhausen

Thomas Meister,
Bauleitung

Zimmermann, Geschäftsleiter Natürlich Meister Holzart GmbH, Bibern

Andreas Längle ,
Architektur

Gelernter Schreiner / M.A. Architektur SIA, Geschäftsinhaber Sandri Architekten GmbH, Schaffhausen

Simon,
Umsetzung

Kent,
Umsetzung

Lukas,
Umsetzung